Archiv der Kategorie ‘Kunst und Texte‘

 
 

Iris Schomaker

Galerie Thomas Schulte Berlin - Iris Schomaker / 04.02.12.
Iris Schomaker: Doing real things; Kunst - Ausstellungen: Galerie Thomas Schulte, Berlin 2010. Kategorie: Biografie Iris Schomaker, Moderne Kunst / Galerie Thomas Schulte Berlin. Künstler:
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Gerhard Richter: Tate Modern London

Tate Modern London - Gerhard Richter / 06.10.11 - 08.01.12.
Gerhard Richter: Panorama; Kunst - Ausstellungen: Tate Modern, London 2010. Kategorie: Biografie Gerhard Richter, Moderne Kunst / Tate Modern London. Künstler:
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Die Biennale Venedig als Spiegel der Kunst

Die Kuratorenausstellung verleiht dieses Jahr (2011) die goldenen Löwen an den Deutschen Pavillion der von dem Künstler Christoph Schlingensief gestaltet wurde. Goldene Löwen für ihr Lebenswerk erhalten der Österreicher Franz West und die 1930 in Lakewood, Ohio geborene Amerikanische Künstlerin Elaine Sturtevant. Die renomierten Kunsthistorikerin Maria Gonzalez, als langjährige Kennerin der Biennale und ehemalige freie Mitarbeiterin des Artforum gibt sie uns dieses Jahr die nötige Hilfestellung im Eldorado der Kunst. Bei einem doppelten Espresso im Cipriani erzählt sie uns wie das Pinchuk-Universum funktioniert. Viktor Pinchuk (50) einer der einflußreichsten Kunstmäzene dieser Zeit. Bei ihm treten die größten Kunststars der Szene an wie Jeff Koons, Andreas Gursky, Takashi Murakami und Damien Hirst. Sie nippt genüsslich an ihrem Espresso, lächelt und geniesst den Moment. Ein Börsenmakler, ein gut verheirateter Fotograf mit Auktionshintergrund, ein geschmackloser Designer und ein schrumpfender Tigerhai. Wissen sie, die Pavillions spielen mitlerweile eine untergeordnete Rolle, was zählt sind die Megashows drum herum. Viktor Pinchuk hat das best bezahlteste Auswahlkriterum um sich geschart wie Miuccia Prada, Elton John, MoMA-Chef Glenn Lowry und Griechenlands Koons-Großsammler Dakis Joannou. Nicht zu vergessen Okwui Enwezor und der seit gestern freigelassene Ai Weiwei und seinen eigenen Sammlungsdirektor, den Museumsveteranen Eckhard Schneider.

Pinchuk vergibt den höchstdotiertesten Kunstpreis überhaupt mit 100.000 Dollar an Künstler unter 35 Jahren. Ein weiterer Mogul im Kunstcircus ist Francois Pinault (74) mit seinen beiden Kunsthäusern direkt am Canale Grande – seit 2006 Palazzo Grassi und seit 2009 Punta della Dogana. In seinen Spielstätten kann man dennoch außergewöhnliches entdecken, wie etwa Ger van Elks deprimierenden Frühstückstisch mit darüber schwebender Hangig Wall (1968) oder Edward Kienholz‘ Geistersalon Roxys (1960/61). Solche wichtigen Arbeiten wünscht man sich jedoch lieber in ein öffentliches Museum. Ganz ähnlich wie in der Sammlung Pinchuk ist bei Pinault keine spezielle Leidenschaft erkennbar, einziges Leitmotiv seiner Sammlung: bunt, bekannt, berechnet und auktionstauglich. Kunst liebt Geld, Sie wissen, das alte Spiel der Abhängigkeiten. Sie fragen nach unseren Werbeanzeigen und an welchem Tropf wir hängen? In wenigen Tagen bin ich auf der Art (Art Basel - “Die einzig real existierende Kunstmesse mit Einfluss”) verkündet sie und was glauben Sie wird uns dort wohl begegnen? Sie läßt uns nicht die nötige Zeit Luft zu holen - ein Spiegel der Biennale, gleiche Akteure, gekaufte Presse und genug Material, um Spekulationen anzuheizen. Wir betreten jetzt den Italienischen Pavillion: “Sehen Sie, ” meint Gonzales unmittelbar nach dem Betreten, “so kann Kunst funktionieren”. Vittorio Sgarbi (59) Kunsthistoriker, fast ohne Kunsthintergrund zeitgenössischer Kunst, zeigt eine geschmacklose Mischung heimeligen Landschaftsidyllen, musizierenden Nackten und harmloser Töpferware. Mit einem kurzen Abstecher ins Palazzo Fortuny, in dem der Antwerpener Möbelhändler Axel Vervoordt Anish Kapoor in Szene setzt, vorhersehbar war der Dialog zwischen Antike, Moderne und Gegenwart was der Präsentation keinen Abbruch verleiht.

Selbst die seriell flirrenden Reliefs von Italiens Azimuth-Protagonisten Nanda Vigo und Enrico Castellani gehen auf Tuchfühlung mit dem Gemäuer, wo selbst Gerhard Richters Regenbogengemälde neue Kräfte entfaltet. Auguste Rodins schreitende Figur scheint direkt dem Mauerwerk entstiegen zu sein. Michaël Borremans kleine Handstudie mit Alberto Giacomettis L’object invisible (1934) und Shirin Neshats Film betender Musliminnen in der Wüste, die in Flammen aufgeht, fügt sich hier atmosphärisch ebenso ein wie Kazuo Shiragas wildgestische Informel-Malereien, die wie Feuersbrünste auf Leinwand gebannt sind. Alles in allem zugänglich und mit gewissem Nineau jedoch vorhersehbar und für uns nicht von allergrößtem Interesse. Maria Gonzalez schleppt uns kreuz und quer durch die Spielstätten biennaler Kunst bis zur Orientierungslosigkeit.

An der Peripherie angelangt betreten wir das Arsenal einer renomierten Galerie aus Neapel, die den Ruf, leise Kunst zu vertreten, nicht wirklich gerecht wird. Wissen sie, fügt Gonzalez der anspruchsvollen Kulisse hinzu, Nai (Nai Arte Contemporary) bleibt sich schon über Jahre treu und vertritt sehr ausgefallene Kunst, was mir persönlich einfach zusagt. Gleich neben dem Eingangsportal hängt eine kleine, fast unscheinbare Zeichnung von Gino De Dominicis, ein Porträt einer Frau ohne Augen. Der Raum wirkt insgesamt aufgeräumt und durchdacht, Filmstills von Cindy Sherman neben einer Serigraphy von Michelangelo Pistoletto. Eine monochrome aus Text/Bild und Blattgold bestehende Arbeit des Deutschen Künstlers Ralph Ueltzhoeffer. Sie zeigt eine Person, die einen randvoll gefüllten Korb trägt. Der Inhalt des Korbes wurde mit Blattgold veredelt, die Zahlen und die Fotografie bilden eine Einheit. Bei näherem Betrachten entpuppen sich die Zahlen als Datum beginnend mit dem 11. März 2011. Erst viel später wurde mir dieser ungewöhnliche Titel der Arbeit in Erinnerung gerufen, als der Tag, an dem der Tzunami über Japan hinwegzog.

Ganz zuletzt betreten wir gemeinsam den Deutschen Pavillion und Maria Gonzalez schweigt, was auch immer diese Geste bei ihr zu bedeuten hat erschließt sich uns in diesem Moment nicht. Sie verliert kein Wort über Christoph Schlingensief und die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte. Maria Gonzalez wußte, wer den “Goldenen Löwen” bekommt und wir waren ahnungslos und in endlose Spekulationen verstrickt. Zurück im Hotel verabschiedet sie sich von uns und wird sich anschließend mit wichtigen Vorbereitungen und Telefonaten hinsichtlich der Art Basel beschäftigen müssen.

Biennale Venedig (Ralph Ueltzhoeffer)

Die Öffnungszeiten der Biennale sind von 10:00 bis 18:00 Uhr - Dienstag bis Sonntag.

Die Öffnungszeiten gelten für Giardini und Arseale
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Ai Weiwei

Haus der Kunst München - Ai Weiwei / 12.10.09 - 17.01.10.
Ai Weiwei: So Sorry; Kunst - Ausstellungen: Haus der Kunst, München 2009. Kategorie: Biografie Ai Weiwei, Moderne Kunst / Haus der Kunst München. Ausstellungstitel: So Sorry. Verzeichnis Biografien / Biografie von Ai Weiwei bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org). Kunst von Ai Weiwei erwerben / kaufen - Galerien, Galerie: Ai Weiwei. Kunst-Objekte, Bilder, Skulpturen von Ai Weiwei die aktuell zum Verkauf stehen: Ai Weiwei bei artnet.de (http://www.artnet.de). Text: Ai Weiwei, Biografie Text - Portraits von Ralph Ueltzhoeffer. (www.ueltzhoeffer.de).

»Ortsangabe: München »Künstlerinformation: Ai Weiwei »Galerie/Museum/Institution: Haus der Kunst
»Diskussion: Ai Weiwei - Aktuell zur Ausstellung - Haus der Kunst München: Eintrag: »»scroll down

Lichtkunst Installation, Paris.
»Installation (Lichtkunst) Ai Weiwei Missing, Ralph Ueltzhoeffer, Paris.

Ai Weiwei

Ufan Contemp, Paris - Ai Weiwei “Missing”.

Mit dem Verschwinden von Ai Weiwei wird zur Zeit in Paris bei Louis Vuitton die Schaufenster umdekoriert. Der Deutsche Konzeptkünstler Ralph Ueltzhoeffer zeigt eine 4-teilige Lichtinstallation mit dem Titel: Missing Ai Weiwei. Pressetexte zur Ausstellung “Missing” - Ai Weiwei (Ralph Ueltzhoeffer): Wenn Menschen wie Gegenstände verloren gehen, materielle Beweggründe unsere Worte verstummen lassen, sind Gedanken die letzte Bastion der Unantastbarkeit. Die Schaufenster von Louis Vuitton in Paris sind prall gefüllt mit Luxusgütern die uns augenscheinig das Leben lebenswerter erscheinen lassen. Sie lenken uns ab von alltäglicher Sorge und lassen uns träumen von einem unbeschwerten Leben. Selbst wenn der Preis sehr hoch uns erscheint und nur für wenige erschwinglich steht zweifelsfrei der materielle Wert an oberster Stelle. Das Unbehagen der Passanten entlädt sich zum Teil, verbal im gestörten Verhältnis ihres Abendsparziergangs, in Unwissenheit und Ignoranz. Einige durchschauen die Zusammenhänge, die Wenigsten sehen sich selbst als Akteure dieser doch provokativen Inszenierung unserer selbst.
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Kunstauktionen, Kunstmarkt “Werte in der Kunst” |

Thema: Kunstmarkt - Kunstauktionen, Wer Bietet Mit?
Interview mit dem Auktionskurator Gérard Goodrow von Isabelle Graw

Seitdem die Auktionshäuser begonnen haben, auch mit Gegenwartskunst zu handeln, stellen sie eine ernsthafte Konkurrenz zu den Galerien dar. Die klassische Aufteilung zwischen Primär- und Sekundärmarkt ist ohnehin längst hinfällig geworden. Was Kunstkritiker/innen diskutieren, scheint hier ebenso von allenfalls geringer Bedeutung zu sein. Wie schätzt Gérard Goodrow, Auktionskurator bei Christie’s, London, die Gefahren der zunehmenden Macht von Auktionshäusern ein?
Isabelle Graw: Wie würdest du deinen Job beschreiben, was genau machst du bei Christie’s?

Gérard Goodrow: Mein Hauptgebiet ist das Akquirieren; ich hole Kunstwerke für die Auktionen herein. Die meisten Leute denken, dass die Arbeiten rein zufällig zusammenkommen, dabei werden sie für jede Auktion gezielt ausgesucht. Fünfzig Prozent kommen von alleine, und um die anderen fünfzig Prozent muss man sich bemühen. Im Moment zum Beispiel braucht man für jede Auktion einen Andreas Gursky, einen Thomas Demand, einen Damien Hirst und eine Sarah Lucas. Es ist dann meine Aufgabe, die Sammler mit guten Argumenten davon zu überzeugen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, die Arbeit in eine Auktion zu geben.

Graw: Ebenso musst du ja auch dafür Sorge tragen, dass sich Käufer finden.

Goodrow: Das ist auch etwas, was die meisten Leute nicht wissen. Bevor wir etwas in die Auktion nehmen, müssen wir sicher sein, dass wir mindestens zwei Bieter haben. Für einen Galeristen hingegen reicht ein Käufer, von dem er beispielsweise hunderttausend Mark verlangen kann. Wir benötigen mindestens einen oder zwei Gegenbieter. Und sobald es um mehr als um hunderttausend Pfund geht, drei. Das ist unsere Zwickmühle: Wir müssen für den Einlieferer das Beste rausholen, aber zugleich dem Käufer den günstigsten Preis bieten. Das lässt sich nur schwer miteinander vereinbaren. Man muss dem Einlieferer das Gefühl geben, dass er den besten Preis bekommen hat, und dem Käufer, dass er ein Schnäppchen gemacht hat.

Graw: Klingt nach psychologischer Feinarbeit. Du bist demnach beim Akquirieren für die Dynamik einer Auktion verantwortlich, deine Aufgabe lässt sich durchaus mit der eines Choreografen vergleichen.

Goodrow: Ich sorge dafür, dass die Bieter da sind - sei es schriftlich oder am Telefon - oder dass sie persönlich zu den Auktionen kommen. Das klappt aber nur, wenn die ganze Auktion stimmig ist. Die Leute kommen nicht für nur eine Arbeit; sie rufen auch nur selten wegen einer Arbeit an, eher schon, wenn sie sich für zwei oder drei Hauptarbeiten interessieren.

Graw: Auktionen sind demnach wohl orchestrierte, fein abgestimmte Events.

Goodrow: Nicht nur. Man muss auch den Eindruck erwecken, dass alles richtig zusammenpasst - darin besteht die Schwierigkeit, zumal man nicht alles ablehnen oder total wählerisch sein darf. Wir brauchen beispielsweise zehn Künstler für eine Auktion, es gibt aber einen Kunden, der unbedingt einen Enzo Cucchi verkaufen will. Der Markt für Cucchi ist jedoch wahnsinnig schwierig, aber da der Kunde uns wichtig ist, muss man es schaffen, dass Cucchi nicht als Außenseiter dasteht - für ihn muss ein Kontext entworfen werden.

Graw: Da liegt es nahe, nach einem Francesco Clemente Ausschau zu halten …

Goodrow: Genau. Die dementsprechende Kunstrichtung muss vertreten sein. Wenn man einen Cucchi hat, dann braucht man einen Clemente, auch ein Mario Merz müsste dabei sein. Bekommt man die “Transavanguardia” nicht zusammen, dann braucht man wenigstens etwas Italienisches. So kann man fünf, sechs Arbeiten im Katalog zusammen abbilden und auch vorab gemeinsam ausstellen, so dass der Cucchi plötzlich Sinn macht und besser aussieht.

Graw: Für Christie’s Auktionen zusammenzustellen bedeutet also letztlich, Kontexte im Sinne eines künstlerischen Bezugsrahmens zu suggerieren.

Goodrow: Eigentlich schon. Diese Entwicklung bei Auktionen ist jedoch relativ neu. Ich glaube nicht, dass die Kollegen vor fünf Jahren schon so gedacht haben. Im April 1998 haben wir begonnen, echte Gegenwartskunst zu verkaufen. Da mussten wir etwas mehr Verantwortung zeigen: In diesem Bereich operiert man in großer Nähe zum Primärmarkt, und man steht in gewisser Weise schon in Konkurrenz zu den Galerien. Speziell dann, wenn die Künstler regional und national, aber nicht international bekannt sind, muss ein Kontext hergestellt werden. Für einen Thomas Demand heißt dies beispielsweise, dass seine Arbeit wie eine Nachfolge der Becher-Schule erscheint, obgleich sie eigentlich nicht zur Becher-Schule im engeren Sinne gehört. Zugleich hebt man den Aspekt “inszenierte Fotografie” hervor, so dass seine Arbeiten denen von Cindy Sherman vergleichbar werden. Man kann auch zeigen, dass Demand mit Günther Förg zu tun hat, zumal Förg auch kein Becher-Schüler ist. Aber wenn Günther Förg ein Haus fotografiert, dann hat das Haus irgendeine krumme Geschichte, dies gilt für Demand ebenfalls. Die meisten Leute, die Demand kaufen, kennen diese Hintergründe nicht. Deshalb müssen wir ihnen Informationen geben. Leute, die viel Geld für Kunst ausgeben, verfügen nicht unbedingt über kunsthistorische Kenntnisse. Man muss darüber aufklären, wer Cucchi und wer Clemente ist, ob die noch relevant sind oder vielleicht irgendetwas mit Mario Merz zu tun haben.

Graw: Zu diesen Informationen könnte auch der plastische Aspekt bei Demand gehören. Von Kunstgeschichte oder Kunstkritik unterscheidet sich diese Vermittlung jedoch insofern, als sie es auf Überzeugung anlegt, verkaufsfördernd sein will. Kontextualisierung hat hier nicht die Funktion einer entmystifizierenden Einbettung in soziale Verhältnisse, sondern wird schlicht zum Verkaufsargument.

Goodrow: Unsere Kontextualisierung und die der Kunstgeschichte sind aber doch letztlich das Gleiche. Für beide gilt, dass man die Arbeit besser versteht, wenn sie in einen Kontext gestellt wird. Und wenn die kunstgeschichtliche Seite besser verstanden wird, kann man die Arbeit besser verkaufen. Natürlich tun wir alles dafür, um die Arbeit besser zu verkaufen. Aber die Herstellung eines stimmigen Kontextes ist auch deshalb erforderlich, weil sich junge Gegenwartskunst nicht so schnell einordnen lässt. Durch kunstgeschichtliche Bezüge versteht man sie einfach besser. Und wenn man etwas besser versteht, ist man auch eher bereit dazu, Geld dafür auszugeben. Die meisten Leute können schon abschätzen, was eine gute Investition ist. Die sagen sich: Wenn ich jetzt einen Demand kaufe, kann ich wahrscheinlich in zwei oder drei Jahren Geld damit verdienen. Aber man muss auch dafür sorgen, dass sie verstehen, warum das so ist.

Graw: Aber für die Kunstkritik spielt doch Demand kaum eine Rolle. Ich würde sogar bezweifeln, dass seine Arbeiten in zehn Jahren noch von großer Bedeutung sein werden. Hat es nicht immer diese Kluft gegeben zwischen den Hypes der Auktionshäuser und jenen Positionen, die sich als historisch relevant erweisen sollten?

Goodrow: Das ist oft marktbedingt so gewesen. Man kann eine solche Entwicklung anhand der achtziger Jahre, etwa bei Julian Schnabel, zeigen, aber auch bei Jeff Koons. Es war nicht vorauszusehen, dass Koons ein solches Comeback haben würde - das war meiner Meinung nach auch ein wenig Glückssache. Koons ist der Künstler, der den Zeitgeist der achtziger Jahre am besten ausgedrückt hat, aber ob seine Kunst große Kunst ist, ist eine andere Frage. Ich glaube aber ernsthaft, dass Thomas Demand eine Zukunft hat, und wenn ich mit meinen Kunden spreche, versuche ich immer, ehrlich meine Meinung abzugeben - natürlich ohne Gewähr. Ob sich die Preise halten werden, ist eine andere Frage. Was gegen Demand spricht, ist die Tatsache, dass seine Bilder auf bestimmte historische Referenzen, etwa aus Zeitungen, referieren, die in einigen Jahren vielleicht niemand mehr versteht.

Graw: In den siebziger und achtziger Jahren kam es einem Sakrileg gleich, wenn man als Sammler offen zugab, dass man spekulierte und seine Arbeiten an Auktionshäuser gab. Das wurde eher unter der Hand gemacht.

Goodrow: Das trifft auf die siebziger Jahre zu. In den Achtzigern hingegen, als der Kunstboom anfing, hat man es zwar nicht gesagt, aber jeder wusste es.

Graw: Und mittlerweile werden so genannte “Umschichtungen” von Sammlungen ganz offen praktiziert.

Goodrow: Ja, das passiert ganz offen. Die Leute sagen von vornherein, dass sie einen Investitionskauf tätigen, und das ist auch nicht weiter schlimm. Ich meine: Wir bewegen uns nun mal auf dem Kunstmarkt. Als ich 1987 mitten in den Boom-Zeiten nach Deutschland, auf die Kölner Messe kam, habe ich mich darüber gewundert, dass die Leute einfach nicht zugeben wollten, dass wir es hier mit einem Markt zu tun haben.

Graw: Mir geht es nicht darum, den Markt zu dämonisieren, sondern zu beschreiben, inwieweit er heute anders funktioniert als vor zehn, zwanzig Jahren. Die zunehmende Bedeutung etwa der Auktionshäuser anzuerkennen ist eine Sache. Daraus folgt aber nicht, dass man die Wertsetzungen dieser Auktionshäuser unterschreibt. Eine Zeitschrift wie Texte zur Kunst ist ohnehin Teil dieses Markts - wir leben davon. Aber wir nehmen uns auch die Freiheit, seine normative Macht in Frage zu stellen.

Goodrow: In gewisser Weise ist diese neue Macht der Auktionshäuser ein Problem, weil wir gegen Galerien arbeiten. Früher gab es die klassische Aufteilung zwischen “Primärmarkt” - dafür waren Galerien zuständig - und “Sekundärmarkt”, wofür Kunsthandel und Auktionshäuser zuständig waren. Es ist die Aufgabe der Galerien, Künstlerkarrieren aufzubauen; das kann nicht unsere Aufgabe sein. Wenn wir jedoch junge Kunst verkaufen, d.h. Kunstwerke, die nicht älter als zwei Jahre alt sind - was eigentlich im Bereich der Galerien liegt, und wenn wir diese Sachen erfolgreich verkaufen, dann bekommen wir immer mehr davon. Das ist schon gefährlich in dem Sinn, dass wir die Galerien aus ihrem Gebiet wegdrängen.
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Lichtschwellen und der Raum

Ralph Ueltzhoeffer
Ralph Ueltzhoeffer, Lichtkunst - Kinetica London 2010.

Menschen zwischen Natur, Kultur und Wahrnehmung

Belfast textcollage, Ralph Ueltzhoeffer
Ralph Ueltzhoeffer, Textcollage: Belfast 1999/2010.

Pablo Picasso

Grand Palais Paris - Picasso / 08.10.08 - 02.02.09.
Picasso: et les maîtres; Kunst - Ausstellungen: Grand Palais, Paris 2008. Kategorie: Biografie Picasso, Moderne Kunst / Grand Palais Paris.
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